Josef Helmus Haus

Namensgeber Josef Helmus

Josef Helmus wurde am 19.04.1886, als Sohn eines Schuhmachers geboren. Mit 25 Jahren wurde er in Münster zum Priester geweiht und war erster Pfarrektor der Vierlindener Volksschule an der Vennbruchstraße. Er war ein Mann, der mit seinen Gemeindemitgliedern lebte, ihre Sorgen und Nöte teilte und als Seelsorger Trost und Rat spendete. Er war diskussionsfreudig und dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber stehend und ließ sich nie einschüchtern. Er starb im Alter von 80 Jahren am Martinstag 1966.

Josef Helmus war kein überzeugter Widerstandskämpfer, wohl ein Opfer des Nationalsozialismus. Zweieinhalb Jahres seines Lebens verbringt er wegen seiner Überzeugungen im Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau. Aber er hatte mehr Glück als viele seiner Mithäftlinge. Als Mitglied im sogenannten Kripo-Kommando in Dachau gehörte er zu den privilegierten Häftlingen. Die regelmäßigen Pakete aus seinen Heimatgemeinden sorgten mit dafür, dass er die Haft körperlich unbeschadet überstand. Es ist umso erstaunlicher, dass seine auch im Lager undiplomatische, direkte Art ihm kaum Lagerstrafen einbrachte. Nur einmal musste er den berüchtigten 24 Stunden-Stehbunker ertragen, weil er es wagte, bei Fliegeralarm zu rauchen.

Josef Helmus war jemand, der im besten Sinne des Wortes eigensinnig war. Auch unter dem Druck von Veränderungen blieb er sich treu, bewahrte sich seine soziale-moralische Identität.

Seine Kraft schöpfte er aus seinem religiösen Glauben und aus seinem Mitgefühl, das er in ständigem Kontakt mit den Menschen gewann, denen es nicht so gut ging. Eine Ausgrenzung von Menschen aus der Gemeinschaft kam für ihn deshalb nicht in Frage.

1928 ist er der erste Pfarrrektor der neuen Gemeinde St. Elisabeth in Vierlinden. Zwei Jahre später weihte er die Kreuze in der neu eröffneten Volksschule an der heutigen Vennbruchstraße.

Er erlebt die Machtübernahme der Nazis in Vierlinden in seiner ersten Pfarrrektorstelle und äußert offen seine Abneigung gegen die neuen Machthaber in Predigten, Kirchenversammlungen und bei privaten Gelegenheiten.

Im Februar 1934 wurde er erstmals beim Ortsbürgermeister in Walsum vorgeladen und man verbot ihm jede außerkirchliche Aktivität.

Am 5. Mai 1935 wendet er einen Hirtenbrief des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, konkret an. Er belässt es nicht einfach dabei, den Hirtenbrief bekannt zu geben, sondern nennt Schulrat und Schulleiter beim Namen!

Unmittelbar nach dem Gottesdienst wird er verhaftet, erhält ein Verbot für die Erteilung des Religionsunterrichtes und ein Aufenthaltsverbot für das Rheinland.
Es ist das Ende seiner Tätigkeit in Vierlinden.

Im Gerichtsverfahren vor dem Sondergericht Düsseldorf wird er zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die 3-monatige Gefängnisstrafe wird am Ende amnestiert.

Josef Helmus wird bis 1939 nach Schmedehausen versetzt. Danach tritt er die Pfarrstelle in St.J oseph in Gladbeck an. Er hält weiter nicht mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Nationalsozialisten hinter dem Berg. Seine Volksnähe, seine Offenheit für Probleme der Menschen, auch die Teilhabe am außerkirchlichen Leben der Gläubigen, seine Diskussionsfreude und seine seelsorgerische Fürsorge machen ihn in der Gemeinde beliebt.

Die Kirche ist bei seinen Predigten gut gefüllt. Er scheut nicht den Kontakt zu Ausgegrenzten oder von Ausgrenzung bedrohten, vor allem zur Arbeiterschaft, auch zu ehemaligen Sozialdemokraten oder Kommunisten. Dabei gerät er schon einmal in Konflikt mit seinen eigenen Kirchenvorgesetzten.

Mit Eintritt in den Krieg nehmen seine Stellungnahmen in Predigten an Deutlichkeit noch zu. Bei Konflikten bei dem NS-Regime kommen ihm seine Wortgewandtheit, ein gewisses Maß an Schlitzohrigkeit und Geradlinigkeit wider Erwarten zugute. Zudem erfährt er Solidarität aus der Gemeinde und manch ein Zeuge hat bestimmte Anschuldigungen nicht gehört oder kann das Gegenteil bezeugen.

Letztlich führen Anklagen wegen Aufrufs zur Arbeitssabotage und Kritik an Maßnahmen der Regierung zur Ernährung des Volkes zu seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau im Oktober 1942.

Anfang April 1945 wird Josef Helmus aus der Dachauer Haft entlassen.